Kleinverteiler auswählen und dimensionieren: So planst du deine Unterverteilung richtig
18.02.2026
Ein Kleinverteiler ist das Herz deiner Elektroinstallation – und gleichzeitig einer der häufigsten Kandidaten für Planungsfehler. Wenn er zu klein ausfällt oder unübersichtlich aufgebaut ist, wird jede spätere Erweiterung z. B. für Wallbox, Wärmepumpe, PV, KNX und DALI schnell teuer und nervig.
Mit einer sauberen Dimensionierung und etwas System bekommst du mehr Sicherheit, bessere Übersicht und echte Zukunftsreserve, ohne dass du später wieder Wände öffnen oder den Verteiler komplett tauschen musst.

Für wen ist ein größer dimensionierter Kleinverteiler sinnvoll?
Ein neuer oder größer dimensionierter Kleinverteiler ist besonders sinnvoll bei:
- Neubau eines Einfamilienhauses oder einer Wohnung
- Modernisierung einer Altbauinstallation
- Integration mehrerer FI-/RCD-Gruppen
- Vorbereitung für Wallbox, Wärmepumpe oder PV-Anlage
- Umrüstung auf Smart-Home-Systeme (z. B. KNX, DALI)
- Bedarf an Reserveplätzen für zusätzliche Stromkreise
Im Bestand empfiehlt sich ein Austausch insbesondere bei:
- Fehlenden oder stark begrenzten Reserveplätzen
- Absicherung der gesamten Anlage über nur einen einzelnen RCD
- Fehlendem Überspannungsschutz
- Nicht mehr normgerechter oder veralteter Elektroinstallation
Grundlagen: Was macht ein Kleinverteiler eigentlich?
Der Kleinverteiler, oft auch Unterverteilung, verteilt die ankommende Energie auf die einzelnen Stromkreise im Gebäude. Hier sitzen die Schutz- und Schaltgeräte, die im Fehlerfall Leben retten – und im Alltag dafür sorgen, dass deine Anlage übersichtlich und zuverlässig läuft.
Du kannst dir das vorstellen wie einen gut organisierten Werkzeugkoffer:
Wenn alles sauber sortiert ist, findest du Fehler schneller, kannst leichter erweitern und arbeitest sicherer.

Typische Komponenten im Kleinverteiler
- Leitungsschutzschalter (LS) – sichern Leitungen gegen Überlast und Kurzschluss ab
- Fehlerstromschutzschalter (FI / RCD) – bewahren Personen vor Stromschlägen
- Überspannungsschutz (SPD Typ 2) – verhindert Schäden an Geräten durch Spannungsspitzen
- Reihenklemmen / PE- und N-Schienen – sorgen für eine saubere und strukturierte Verdrahtung
- Teils verpflichtend in Neuanlagen: Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtungen (AFDD) – erkennen gefährliche Lichtbögen, die zu Bränden führen können
- Optional: Relais, Stromstoßschalter, KNX-Aktoren, DALI-Komponenten
Technische Details und normative Grundlagen
Kleinverteiler unterliegen klar definierten Normen und technischen Vorgaben. Zu den wichtigsten Regelwerken gehören:
- DIN EN 61439 1 (Rahmennorm) + DIN EN 61439 3 (DBO Verteiler)
- DIN VDE 0603-1 für Installationsverteiler
- DIN 18015-2 für elektrische Anlagen in Wohngebäuden
- DIN 43880 für Teilungseinheiten
- DIN VDE 0603 1 und der APZ Bereich
(Bei geplanten Smart Meter oder PV Systemen sollten auch die Anforderungen nach VDE AR N 4100 berücksichtigt werden)
Achtung:
- Seit Januar 2025 sind AFDD in vielen Neuanlagen zwingend vorgesehen (z. B. gemäß DIN 18015 2 Anforderungen bzw. DIN VDE Regelwerk). Es gelten verschärfte Anforderungen bzgl. der Brandprävention
Die Größe eines Verteilers wird in Teilungseinheiten TE angegeben. Eine Teilungseinheit entspricht 18 mm. Pro Reihe stehen meist 12 TE zur Verfügung, bei bis zu fünf Reihen ergibt das maximal 60 TE. Dieses Raster bestimmt, wie viele Reiheneinbaugeräte du unterbringen kannst.
Für die Verdrahtung gelten je nach Bemessungsstrom typische Querschnitte von 10 mm² bei 63 A und 16 mm² bei 100 A. Die Ausführung muss fachgerecht und normkonform erfolgen.
Vorteile eines richtig geplanten Kleinverteilers
- Mehr Sicherheit durch klare Schutzkonzepte (RCD-Aufteilung, LS-Selektivität)
- Weniger Ärger im Fehlerfall, weil nicht das ganze Haus ausfällt
- Saubere Übersicht, damit du Fehler schneller findest
- Zukunftsreserve für Wallbox, Wärmepumpe, PV, KNX, DALI
- Weniger Umbaukosten, weil Nachrüstungen ohne Verteiler-Tausch möglich bleiben
- Bessere Ordnung, wenn Busleitungen (KNX) und 230 V sauber getrennt sind
Planung und Dimensionierung Schritt für Schritt
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Definition der Stromkreise
Beginne mit einer sauberen Bestandsaufnahme. Definiere, welche Räume und Geräte eigene Stromkreise benötigen. Küche, Bad und Wohnbereiche sollten getrennt abgesichert sein. Leistungsstarke Verbraucher wie Herd oder Waschmaschine erhalten eigene Stromkreise.
Sinnvolle Trennung
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- Küche: Steckdosen getrennt von Geräten
- Bad: eigener Stromkreis
- Außenbereich: eigener Stromkreis
- Licht: getrennt nach Etagen oder Bereichen
- Steckdosen: getrennt nach Räumen
- Große Verbraucher: immer separat
Leistungsstarke Verbraucher wie Herd, Waschmaschine, Wärmepumpe und Wallbox bekommen immer eigene Abgänge.
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Berücksichtigung der FI-Schutzschalter
In modernen Anlagen werden mehrere RCDs eingesetzt, um im Fehlerfall nicht das gesamte Haus stromlos zu schalten.
Praktischer Standard
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- 2 bis 4 RCD-Gruppen im Einfamilienhaus
- getrennt nach Etagen oder Funktionsbereichen (z. B. Küche/Bad/Technik)
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Einplanung von Reserveplätzen
- LS-Schalter: 1 TE
- RCD 4-polig: 4 TE
- Überspannungsschutz Typ 2: 4 TE
- KNX-Spannungsversorgung: oft 4 TE
- KNX-Aktor: je nach Kanalzahl 4–12 TE
Addiere auf deine berechneten TE unbedingt Reserve:
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- mindestens 20 % (bei normaler Elektroinstallation)
- 30 % oder mehr, wenn du Smart Home, PV, Wallbox oder Wärmepumpe planst
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Auswahl der Montageart und Schutzart
Unterputzverteiler eignen sich für Neubauten. Aufputzverteiler sind ideal für Keller oder Technikräume. Installationskleinverteiler müssen grundsätzlich Schutzklasse II erfüllen.
Sicherheitsaspekte und Fachbetriebspflicht
Elektroinstallationen sind sicherheitsrelevant. Der Anschluss an das öffentliche Versorgungsnetz darf ausschließlich durch einen eingetragenen Elektromeister erfolgen. Auch Arbeiten an spannungsführenden Teilen gehören in fachkundige Hände.
Unsachgemäße Installationen können zu Kurzschluss, Überspannung oder Brand führen. Die Einhaltung der DIN- und VDE-Vorgaben ist deshalb keine Formalität, sondern aktiver Personenschutz.
Mechanische Tätigkeiten wie das Einsetzen von Reiheneinbaugeräten sind möglich. Die Verdrahtung und Inbetriebnahme sollte jedoch immer durch einen qualifizierten Fachbetrieb erfolgen.
KNX-Integration im Kleinverteiler
Wenn du KNX einsetzt oder planst, spielt der Kleinverteiler eine zentrale Rolle. KNX-Aktoren, Spannungsversorgungen oder Linienkoppler werden als Reiheneinbaugeräte montiert und benötigen zusätzliche Teilungseinheiten.
Plane ausreichend Platz für:
- KNX-Spannungsversorgung
- Schalt- und Jalousieaktoren
- Linien- oder Bereichskoppler
- Reihenklemmen zur sauberen Busführung
Eine saubere Trennung zwischen 230-V-Bereich und Bus-Leitungen erhöht die Übersicht und erleichtert Wartung und Erweiterung.
Produktauswahl und Systemlösungen
Moderne Kleinverteiler sind heute mehr als reine Stromverteiler. Viele Systeme bieten integrierte Kommunikationsfelder oder Kombinationsmöglichkeiten mit Multimediaverteilern. So kannst du Strom- und Dateninfrastruktur an einem Ort bündeln.
Hersteller wie Hager oder Spelsberg bieten durchdachte Lösungen für Auf- und Unterputzmontage. Entscheidend ist die normgerechte Ausführung, ausreichend Platz, die Kombinationsmöglichkeit von klassischer Installation und Erweiterbarkeit für KNX oder DALI.
Fazit und Handlungsempfehlung
Ein Kleinverteiler ist das organisatorische Zentrum deiner Elektroinstallation. Wenn du ihn sorgfältig dimensionierst, schaffst du Sicherheit, Struktur und Zukunftsreserve. Besonders bei KNX- oder DALI-Installationen entscheidet die richtige Größe darüber, ob dein System langfristig flexibel bleibt.
Plane großzügig, halte dich an Normen und beziehe bei der Verdrahtung einen Fachbetrieb ein. So stellst du sicher, dass deine Anlage zuverlässig und normgerecht arbeitet.
