KNX-Wetterstationen im Vergleich

31.07.2026

Eine KNX-Wetterstation liefert deinem Gebäude die Daten, die es für automatische Entscheidungen braucht. Sie misst Wetter direkt vor Ort – dort, wo Beschattung, Heizung, Lüftung oder Bewässerung reagieren sollen. Das macht sie deutlich zuverlässiger als Wetter-Apps oder Online-Dienste, die meist mit regionalen Durchschnittswerten arbeiten. So fährt die Markise bei starkem Wind ein, die Beschattung reagiert auf Sonne und Räume heizen sich im Sommer weniger stark auf. In diesem Beitrag vergleichen wir acht KNX-Wetterstationen von MDT, Theben, Elsner und Warema aus vier Geräteklassen und zeigen dir, welche Lösung zu welchem Projekt passt.

LED Dimmen in einem Gebäude

Die richtige Wetterstation: Darauf solltest du achten

Je nach Gebäude und Automationsziel reicht eine einfache Wetterstation mit Temperatur, Wind und Helligkeit in vielen Fällen aus. Für größere Projekte, mehr Komfort oder Sicherheit brauchst du ausgefeilte Sensorik, getrennte Fassadensteuerung und stärkere Logikfunktionen.
Die Wahl der richtigen Wetterstation hängt stark davon ab, wie „intelligent“ dein Gebäude reagieren soll. Zwei Begriffe entscheiden dabei über die Leistungsfähigkeit deiner Wetterstation: die sogenannte „echte Logik“ und GPS. Während echte Logik bestimmt, wie eigenständig deine Wetterstation Messwerte verknüpft, sorgt GPS dafür, dass sie Standort und Sonnenstand von selbst kennt. Was das für deine Beschattung konkret bedeutet, erfährst du weiter unten im Detail.

Warum lokale Wetterdaten für KNX wichtig sind

Für deine Automationen zählen die Bedingungen vor Ort: Wie stark scheint die Sonne auf deine Fassade? Wie windig ist es an deinem Gebäude? Regnet es? Erst mit diesen lokalen Messwerten steuerst du dein KNX-System passend zur tatsächlichen Situation.

Der Nutzen entsteht durch die automatische Reaktion. Temperatur, Wind, Sonne und Regen lösen konkrete Funktionen aus. Deine Lüftung passt sich an die aktuelle Wetterlage an, deine Beschattung reagiert auf direkte Sonneneinstrahlung. Insbesondere bei wechselhaftem Wetter arbeitet dein System schneller und verlässlicher, als du manuell reagieren könntest.

Unser Tipp:

Plane die Sensorposition so, dass Wind- und Sonnensensor nicht durch Bäume, Nachbargebäude oder Dachüberstände verfälscht werden – sonst arbeiten selbst gute Logikfunktionen mit falschen Werten.

Unterschied zwischen einfacher und „intelligenter“ Wetterstation

Eine einfache Wetterstation arbeitet rein messwertbasiert. Sie erfasst zum Beispiel den Wind und sendet die Information weiter, etwa: „Windgrenzwert überschritten“. Weitere Zusammenhänge kennt sie nicht. Die eigentliche Entscheidung – ob beispielsweise eine Markise eingefahren werden soll – erfolgt dann im KNX-System oder muss separat programmiert werden.
Anders eine Wetterstation mit echter Logik: Sie kann mehrere Bedingungen miteinander verknüpfen und daraus eigenständig Aktionen ableiten. Ein typisches Beispiel:

  • Sonneneinstrahlung über Grenzwert
  • Außentemperatur über Grenzwert
  • Kein Windalarm aktiv

In diesem Fall entscheidet die Wetterstation selbstständig, dass die Jalousien herunterfahren sollen. Diese Kombination passiert direkt im Gerät – ohne zusätzliche externe Steuerung.

Die Technik hinter „echter Logik“

Damit eine Wetterstation solche Entscheidungen treffen kann, verfügt sie über integrierte Logikfunktionen. Dazu gehören unter anderem:

  • Verknüpfungen wie UND / ODER
  • Zeitverzögerungen (z. B. erst reagieren nach 5 Minuten Sonne)
  • Schwellwertketten (mehrstufige Bewertung von Messwerten)
  • Prioritätenlogik (z. B. Wind hat Vorrang vor Sonne)
  • Fertige Automatikprogramme für Beschattung

Diese Funktionen machen aus einem einfachen Sensor ein „echtes“ Steuergerät für Gebäudeautomation.

Unser Tipp:

Setze bei mehr als 4 Fassaden immer auf ein Gerät mit getrennter Fassadensteuerung, sonst reagiert die gesamte Beschattung einheitlich, auch wenn die Sonne nur auf einer Seite steht.

1. Geräteklasse Basis: Messwerte & einfache Grenzwerte

Die Intelligenz dieser Wetterstationen sitzt hauptsächlich im KNX-System.

wetterstation-theben-meteodata-140
Wetterstationen MDT SCN-WS3HW Theben Meteodata 140 basic
Messtechnik Windrad (mechanisch), Temperatur, 3× Helligkeit Mechanische Windmessung, Temperatur, 3× Helligkeit
Fassadenzahl Bis zu 3 Fassaden Bis zu 4 Fassaden
Montage Wand oder Mast Wand oder Mast
Logikniveau Einfache Fassaden- und Schwellwertlogik Einfache Schwellwertlogik
Verknüpfungen KNX-Schwellwerte, Windalarm, zentrale Steuerobjekte KNX-Schwellwerte und Basisfunktionen
Typische Anwendung Standard-EFH Preisoptimiertes KNX-Projekt

2. Mittelklasse: Integrierte Beschattungslogik und Logikkanäle

Die Wetterstationen der Mittelklasse messen und denken bereits mit.

wetterstation-theben-meteodata-140-s
Wetterstation Elsner Windancer 2.0 Theben Meteodata 140 S
Messtechnik Schalenanemometer für Windmessung, beheizter Regensensor, 3× Helligkeit, Temperatur, optional GPS/Sonnenstand (Lamellennachführung und/oder Schattenkantenfunktion) Mechanische Windmessung, beheizter Regensensor, 3× Helligkeit, Temperatur
Fassadenzahl Bis zu 8 Fassaden Bis zu 8 Fassaden
Montage Wand-, Mast- oder Dachmontage Wandmontage, optional Mast
Logikniveau Integrierte Beschattungssteuerung, 8 UND- und 8 ODER-Gatter, Smart Linking mit vereinfachter Parametrieroberfläche, semantischen Informationen und Kontexthilfe 6 Logikkanäle, integrierte Wetterauswertung
Verknüpfungen Erweiterte KNX-Logik, Smart Linking wie direkte Beschattungssteuerung KNX-Objekte, Zusatzkanäle, Schwellwerte, Auswertung direkt im Gerät
Typische Anwendung Komfort-Einfamilienhaus gehobener Wohnbau, KNX-Standardprojekte Komfort-EFH, KNX-Standardprojekte

3. GPS-Klasse: Eigenständige Sonnenstandsberechnung

Wetterstationen mit GPS er kennen Standort und Sonnenstand selbst – ohne manuelle Konfiguration.

Warum GPS bei Wetterstationen sinnvoll ist

Bei modernen Gebäudesteuerungen übernimmt GPS die komplette Positions- und Zeitbestimmung: Die Wetterstation erkennt ihren Standort über Breiten- und Längengrad. Sie synchronisiert Datum sowie Uhrzeit und berechnet daraus Sonnenaufgang, Sonnenuntergang sowie den exakten Sonnenstand, also Azimut und Elevation. Das bildet die Grundlage für eine automatische Ausrichtung zur Sonne und eine deutlich feinere, präzisere Beschattungssteuerung. Bei einer Lamellenanlage passt sich z. B. der Lamellenwinkel kontinuierlich dem Sonnenverlauf an. So gewinnst du viel Tageslicht, ohne dass dich die Sonne blendet.

Deine Vorteile

  • Exakte Positionsbestimmung über Breiten- und Längengrad
  • Zeitsynchronisation inklusive Datum und Uhrzeit
  • Berechnung von Sonnenaufgang und Sonnenuntergang
  • Ermittlung von Azimut (seitlicher Sonnenwinkel) und Elevation (Sonnenhöhe)
  • Automatische Ausrichtung zur Sonne als Basis für feinere Beschattungssteuerung

Am Beispiel des Elsner Windancer 2.0 mit GPS zeigt sich das in der Praxis: Die Wetterstation ermittelt Standort und Sonnenstand vollautomatisch und nutzt diese Daten direkt für die Lamellen- und Schattenkantennachführung. Du sparst dir die manuelle Konfiguration und profitierst von einer präzisen, dem Sonnenverlauf angepassten Beschattung.

Zwei GPS-Wetterstationen im Detail

Elsner Suntracer KNX sl Theben Meteodata 140 S GPS KNX
Schwerpunkt Fokus auf hochentwickelte Beschattungssteuerung mit Lamellen- und Schattenkantennachführung Fokus auf Wetterdaten + integrierte Sonnenschutzautomatik mit Sonnenstandsberechnung
Fassadenzahl Bis zu 8 Fassaden Bis zu 8 Fassaden
Kernfunktionen Lamellen- und Schattenkantennachführung, umfangreiche Logikmodule und Automatisierungsfunktionen, Luftdruckmessung Wettererfassung, Sonnenstandsführung, Jalousieautomatik
GPS/GNSS GPS-gestützte Sonnenstandsberechnung GNSS-Empfänger mit Unterstützung mehrerer Satellitensysteme gleichzeitig
Logikniveau 8 UND-, 8 ODER-Gatter, Multifunktionsmodule, Grenzwertüberwachung 6 Logikkanäle, 4 Grenzwertkanäle, integrierte Sonnenschutzlogik
KNX-Integration KNX-Logik, Zeitprogramme, Berechnungen, Datenverarbeitung KNX-Verknüpfung, Zusatzkanäle, Sensorverknüpfung
Typische Anwendungen Luxuswohnbau, Villen, Premium-Projekte Große Wohngebäude, anspruchsvolle KNX-Anlagen

4. High-End: Professionelle Gebäudeautomation, viele Fassaden, komplexe Logik

Mit ihrer komplexen Logik wird eine High-End-Wetterstation um eigenständigen Automatisierungsbaustein des Gebäudes.

Wetterstation Warema Wetterstation Pro Elsner Suntracer KNX Pro
Messtechnik Ultraschall-Windmessung (Windgeschwindigkeit und Windrichtung), Niederschlagssensor, Temperatur, 4× Helligkeit (360°-Erfassung), GPS für Zeit- und Positionsdaten Ultraschall-Windmessung (Windgeschwindigkeit und Windrichtung), Niederschlagssensor, Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftdruck, 5× Helligkeit, GPS-Empfänger mit Sonnenstandsberechnung (Azimut/Elevation)
Fassadenzahl Projektabhängig, typischerweise >10 Fassaden Bis zu 12 Fassaden (mit Lamellen- und Schattenkantennachführung)
Montage Mast-, Wand- oder Rohrmontage Mast-, Dach- oder Wandmontage
Logikniveau Systemlogik in Omnexo-Zentrale bzw. KNX-System 8 UND-, 8 ODER-Gatter, Multifunktionsmodule, Grenzwertüberwachung
Verknüpfungen Zentrale Systemlogik, KNX Secure KNX-Logik, Zeitprogramme, Berechnungen, Datenverarbeitung
Typische Anwendung Gewerbe, Bürogebäude, Warema-Systeme Luxuswohnbau, Villen, Premium-Projekte

Welche Wetterstation passt zu deinem Projekt

Für ein Standard-Einfamilienhaus mit wenigen Fassaden reicht eine Wetterstation der Basisklasse aus – hier zählt vor allem die zuverlässige Grenzwertmessung. Sobald du mehrere Fassaden getrennt beschatten oder Komfortfunktionen wie automatische Sonnenstandsnachführung nutzen willst, lohnt sich der Griff zur Mittelklasse oder zu einer Wetterstation der GPS-Klasse. Bei Gewerbeobjekten, Villen oder Gebäuden mit mehr als 8 Fassaden führt kein Weg an einer High-End-Station mit eigenständiger Systemlogik vorbei.

Nutze diese drei Fragen, um deine Entscheidung zu treffen:

  • Wie viele Fassaden musst du getrennt ansteuern?
  • Soll die Beschattungslogik direkt im Gerät laufen oder reicht eine externe Steuerung?
  • Brauchst du Zusatzfunktionen wie GPS-Sonnenstandsberechnung oder Luftdruckmessung?

Vergleiche die Antworten mit den Tabellen oben und wähle die Klasse, die zu deinem Automationsziel passt.