Vorteile von Smart Meter und Home Energy Management Systemen (HEMS)

14.02.2024

Du möchtest deine Stromkosten reduzieren, ohne auf Komfort zu verzichten? Wir sagen dir, welche Rolle Smart Meter spielen und wie dich ein Home Energie Management System (HEMS) dabei unterstützen kann.

Bild einer Frau, die auf einem Smart Home Display die Raumtemperatur reguliert

Die Energiekosten erhöhen sich. So ist der CO₂-Preis für fossile Energieträger zum Jahreswechsel von 30 auf 45 Euro pro Tonne gestiegen. Strom ist ebenfalls teuer. Zum einen gilt die Preisbremse nicht länger, zum anderen haben die Betreiber der Stromübertragungsnetze wie 50Hertz, Amprion, Tennet und Transnet BW die Entgelte für die Netznutzung auf mehr als das Doppelte angehoben: Verbraucher zahlen seit Januar 2024 nicht mehr 3,12 Cent pro Kilowattstunde, sondern 6,43 Cent Netzentgelt. Die staatlichen Zuschüsse auf diese Netzentgelte entfallen zudem.

Dieser Verteuerungen von Energie kannst du begegnen, indem du selbstproduzierte Elektrizität intelligent organisierst.

So senkst du deine Energiekosten

Wenn du eine Immobilie besitzt, ist die Anschaffung einer Photovoltaikanlage eine sinnvolle Überlegung. Sie ermöglicht dir, Sonnenenergie zu gewinnen. Du erhöhst deine Autarkie, weil du deinen Strom selbst produzierst. Etliche staatliche Fördermaßnahmen unterstützen deine Investition. Die Kombination mit einem Stromspeicher bietet dir noch weitere Vorteile. Dann kannst du auf Solarstrom zurückgreifen, wenn die Sonne nicht scheint. So ist es möglich, die Kapazitäten deiner PV-Anlage bis zu 80 Prozent für den Eigenbedarf zu nutzen.

Warum ein hoher Eigenverbrauch von Vorteil ist

Jede Kilowattstunde Strom, die deine Photovoltaikanlage erzeugt und die du im eigenen Haushalt verbrauchst, musst du nicht für 30 oder 40 Cent von deinem Stromanbieter kaufen.

Beispiel: Du nutzt 30 Prozent des Stroms, den deine 10 Kilowatt-Peak-Anlage erzeugt. Das sind 3.300 kWh. Die übrigen 70 Prozent verkaufst du, also 6.700 kWh zu 8,1 Cent, wie es die Einspeisevergütung 2024 vorsieht. Dadurch erzielst du Einnahmen in Höhe von 543 Euro. Gleichzeitig musst du aber die gleiche Menge Strom zukaufen, um deinen jährlichen Strombedarf für Wallbox und Wärmepumpe zu decken. Das kostet dich etwa 2.010 Euro. Du müsstest also noch etwa 1.467 Euro im Jahr bezahlen.

Mit einem Stromspeicher kannst du bis zu 80 Prozent der Leistung deiner PV-Anlage ausnutzen. Bei 10.000 kWh, die deine PV-Anlage erzeugt, bleiben also noch 2.000 kWh, die du hinzukaufen musst. Das kostet dich 600 Euro bei deinem Stromanbieter. Allerdings erhältst du 162 Euro Einspeisevergütung, die du für diese über das Jahr überschüssige Strommenge abrechnen kannst. So kommst du auf eine Jahresstromrechnung von etwa 438 Euro. Es lohnt sich also, den Eigenverbrauch zu steigern, indem du auch gespeicherten Solarstrom nutzt. Ein Smart Meter unterstützt dich bei einer intelligenten Stromorganisation, insbesondere, wenn dieser in ein Home Energy Management System (HEMS) integriert ist.

Smart Meter

Um deinen Energieverbrauch zu optimieren, solltest du wissen, wie viel einzelne Geräte verbrauchen und wo beispielsweise „Stromfresser“ sitzen. Dafür benötigst du Zähler. Ein Smart Meter, also ein digital vernetzter Stromzähler, kann noch mehr und wird deshalb auch intelligentes Messsystem genannt:

Wenn dein Stromzähler über ein Smart Meter Gateway vernetzt ist, werden Stromproduktion und -verbrauch in verschiedenen Zeitrastern gemessen und registriert. Über eine Visualisierungs-App kannst du diesen Vorgang jederzeit nachvollziehen. Diese Daten werden nicht nur dir, sondern auch deinem Netzbetreiber übermittelt, denn dein Smart Meter kommuniziert in einem intelligenten System auch mit ihm.

Das hat einige Auswirkungen: Die intelligente Vernetzung ermöglicht es dir, dass du von dynamischen Stromtarifen profitierst, die dir dein Netzbetreiber ab 2025 zur Verfügung stellen muss. Eine bedeutende Konsequenz ist jedoch auch, dass der Netzbetreiber aufgrund der übertragenen Daten die Spitzenlast für Hausanschlüsse vorübergehend auf 4,2 Kilowatt drosseln darf, wenn er feststellt, dass die Stabilität des Stromnetzes gefährdet ist. Dies regelt das Energiewirtschaftsgesetz EnWG, § 14 a, das am 1. Januar 2024 trat.

Eine Grafik, die darstellt wie ein Messystem kommuniziert

Einen Smart Meter einbauen müssen:

  • Haushalte mit einem Stromverbrauch von über 6.000 kWh/Jahr
  • Haushalte mit stromerzeugenden Anlagen wie PV-Anlagen ab 7 kW-Leistung
  • Haushalte mit einer steuerbaren Verbrauchseinrichtung, z. B. einer Wärmepumpe, einer Wallbox oder einer Nachtspeicherheizung, die ein verringertes Netzentgelt nach §14a EnWG vereinbart haben

Wer Geräte hat, die vom Netzbetreiber gedrosselt werden können, soll im Gegenzug beim Netzentgelt sparen. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder man zahlt pauschal im Jahr weniger Netzentgelt oder man entscheidet sich für ein um 60 Prozent reduziertes Netzentgelt. Dafür sind ein separater Zähler und eine eigene Abrechnungsstelle für die Wärmepumpe oder Wallbox nötig. Diese Reduzierung bezieht sich aber nur auf das Netzentgelt und nicht auf den gesamten Strompreis, der sich aus weiteren Bestandteilen zusammensetzt. Verbrauchst du eher weniger Strom, lohnt sich die pauschale Reduzierung des Netzentgelts um 110 bis 190 Euro pro Jahr. Verbrauchst du z. B. aufgrund einer nachträglich eingebauten Wärmepumpe eher mehr Strom, ist die zweite Variante interessant.

Viele Städte schlüsseln ihre Netzentgeltlisten auf. Bei den Stadtwerken München beläuft sich die pauschale Reduzierung beispielsweise auf 131,88 Euro netto. Wer sich für eine prozentuale Reduzierung entscheidet, zahlt 3,45 Cent/kWh statt 8,62 Cent/kWh pro kWh. Die Mehrwertsteuer mit eingerechnet kann man so etwa bei einem Heizstromverbrauch von 5.000 kWh pro Jahr rund 308 Euro einsparen. Es lohnt sich also, beide Möglichkeiten in Bezug auf Netzentgelt und Stromverbrauch durchzurechnen.

Home Energie Management System (HEMS)

Eingebunden ist dein Smart Meter idealerweise in ein Home Energie Management System (HEMS). Hier hast du alle Verbraucher und steuerungsfähigen Geräte wie Waschmaschine, Wärmepumpe und Wallbox hinterlegt. Steuern kannst du das System über eine App. Über diese lässt sich auch das Zusammenwirken von PV-Anlage und allen Verbrauchern wie Wärmepumpe, Elektroauto, Speicher und Haushaltsgeräten koordinieren. Sie gehen z. B. nur dann in Betrieb, wenn die PV-Anlage genügend Strom produziert oder Energie gespeichert ist.

In einem Smart Home, das z. B. über KNX funktioniert, werden dir über deine Energiemanagement-App außerdem Temperaturwerte, Fensterstellung sowie die momentanen Leistungsdaten genannt. Du kannst einzelne Haustechnikbereiche und Verbraucher gezielt ein- und ausschalten bzw. selbst sparsame Wenn-dann-Logiken festlegen.

Installation und Kosten deines Energiemanagementsystems

Die Installation eines Home Energy Management Systems (HEMS) ist keine Pflicht. Für den Einbau gilt, dass nur eine Elektrofachkraft Arbeiten am Zählerschrank durchführen darf, weshalb bei einer Neuinstallation der Profi gefragt ist.

Wie viel es kostet, hängt davon ab, welche Geräte angeschlossen werden und welche Funktionen du wünschst. Eventuell kommen noch monatliche Kosten für die Datenspeicherung in einer Cloud hinzu. Darüber solltest du dich im Vorfeld informieren.

Der Kauf ist förderfähig. Die Investitionskosten werden dir vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) bezuschusst. Dafür müssen bestimmte Voraussetzungen wie z. B. ein Mindestinvestitionsvolumen oder die Mitwirkung eines Energieberaters erfüllt werden.